DBV legt Box-Bundesliga auf Eis

Der Deutscher Boxsport-Verband sagt die neue Saison der Box-Bundesliga, die im Januar 2026 starten sollte, ab. BOXSPORT erklärt die Hintergründe.

Der 1. BC Marburg wird seinen Titel als Mannschaftsmeister in der Box-Bundesliga nicht verteidigen können – zumindest vorerst nicht. (Foto: Archiv)

Es ist der letzte Gong – für die Box-Bundesliga des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV). Denn: Eine neue Saison der deutschen Mannschaftsmeisterschaft im olympischen Boxen wird es nicht geben – vorerst  jedenfalls, bestätigte DBV-Sportwart Detlef Jentsch gegenüber BOXSPORT. Ein Novum, einmal von der coronabedingten Zwangspause des Ligabetriebs 2020 abgesehen.

Aber: Der Niedergang der Liga hat sich abgezeichnet. Über Jahre hinweg. Zuletzt bestand die „Top-Division“ aus drei Teams. Ein Miniaturformat als Karikatur. Das sollte es nicht noch einmal geben. Darin waren sich die Verantwortlichen im DBV einig. Bereits in den Jahren zuvor hatten lediglich vier oder fünf Vereine gemeldet. Kein Vergleich etwa zu den 1990er- und Nuller-Jahren mit Ober- und Unterhaus.

Kritik an Desinteresse

Die neue Saison hätte am 17. Januar 2026 starten sollen. Letztlich hatten wiederum nur drei Vereine fest zugesagt: Dauerligist BC Chemnitz 94, Wiederkehrer BSK Hannover-Seelze und Titelträger 1. BC Marburg. Kurz vor Ultimo sei noch der Serienmeister BC Traktor Schwerin abgesprungen, so Jentsch. Mit den Schwerinern wäre es wohl gegangen. So aber nicht. Jentsch: „Unser Beschluss hat Bestand, kein Ligastart.“ Auch, weil sich die zahlreichen Wettkampftermine für Verband, Trainer und Athleten nicht mehr koordinieren ließen. 

Was Olaf Leib auf BOXSPORT-Nachfrage in Rage bringt. Der DBV-Vorstandsbeisitzer ist zugleich Präsident des Box-Verbandes Sachsen und Cheftrainer der Chemnitzer „Wölfe“. Mehr noch: einer, der den „Stinker“ macht, kein Blatt vor den Mund nimmt.

Der Chemnitzer Cheftrainer Olaf Leib (r.), zugleich DBV-Vorstandsbeisitzer und Präsident des Box-Verbandes Sachsen, übt Kritik für den K.o. der Box-Bundesliga. (Foto: privat)

Beispielsweise in der internen WhatsApp-Gruppe „DBV Infos“. Unter der Headline „Ring frei – Liga vorbei“ verschaffte sich Leib Luft. Eine Wutnachricht, die BOXSPORT vorliegt. Darin und im Gespräch mit dem Autor kritisiert Leib die Leistungssportabteilung des DBV mit den beiden Sportdirektoren Michael Müller und Paul Döring. Ferner die großen Landesverbände NRW, Bayern, Baden-Württemberg und nicht minder „die stark öffentlich finanzierten Vereine an den Bundesstützpunkten“. Wofür? Für deren Desinteresse an der Liga. Und: „Gut  800 Vereine sind im DBV organisiert. Und nicht einmal eine Handvoll von ihnen bekommt eine ligataugliche Staffel zusammen.“ 

Kritik folgt Kritik

Jentsch erwidert, dass der DBV nur die Rahmenbedingungen setzen könne, durchführen müssten die Liga die Vereine. Der Dachverband könne auch keine Landesverbände verpflichten, Teams zu stellen. Und außerdem: Kritik sei leicht, sehr leicht. „Aber die“, betont Jentsch, „die beständig kritisieren, können sich selbst fragen, was sie in den vergangenen Jahren für den Ligabetrieb getan haben.“ Dennoch, Leib bleibt dabei: Die Liga durchzuführen sei eine Sache des Willens, eine Sache der Prioritäten. „Und damit meine ich alle Beteiligten.“ 

In einem Punkt sind sich Jentsch und Leib einig. Der neue DBV-Präsident Farid Vatanparast sei ein großer Fan des Formats, habe schließlich selbst in der Bundesliga geboxt. Schön und gut – aber: Gibt es eine Zukunft für die Mannschaftsmeisterschaft? Zunächst betont Jentsch, dass es ein ständiges Hin und Her bei den Ligameldungen künftig nicht mehr geben werde. „Wir brauchen Planungssicherheit.“ Klar sei aber auch: „Die Liga ist nicht tot, sie ist für die nächste Saison erst einmal nur abgesagt.“ Übersetzt: Der DBV hat einen Warnschuss abgefeuert, vielleicht den letzten. Doch den Totengesang auf die Box-Bundesliga hat er noch nicht angestimmt.

Text: Oliver Rast

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