Emanuel Odiase & Co.: „Zeigen, dass wir besser sind“ | BOXSPORT

Emanuel Odiase & Co.: „Zeigen, dass wir besser sind“

Florian Winter und seine „Ringside Zone“-Fighter um Emanuel Odiase sorgen bei der „Night of the Heavyweights“ für ein beeindruckendes Box-Spektakel.

Emanuel Odiase (l.), Aushängeschild von Ringside Zone, landete in der Mannheimer SAP-Arena einen schnellen K.o.-Sieg gegen den Engländer Nick Webb. (Foto: imago-images / speedshot)

Gut möglich, dass Viktor Jurk demnächst einen Eintrag in den Rekordbüchern erhält. Per Blitz-K.o. in der ersten Runde hatte der deutsche Schwergewichtler den Kolumbianer Edwin Castillo in den Ringstaub befördert, benötigte bei der „Night of the Heavyweights“ in Mannheim dafür gerade einmal zwischen drei und vier Sekunden. Laut dem „Guinness Buch der Rekorde“ liegt die Bestmarke für den schnellsten K.o. weltweit bei vier Sekunden, aufgestellt vom US-Amerikaner Mike Collins im Jahr 1947 – ein Rekord, den Jurk zum Wackeln bringt.

Schwergewichtler streben nach Höherem

Ob der 26-jährige Flensburger ähnlich schnell zu einem Titelfight kommt, wird sich zeigen. Der unbesiegte 2,04-Meter-Hüne der „Ringside Zone“ (RSZ) landete in der SAP-Arena seinen zwölften K.o. im 14. Profikampf. Aus dem Lager von Jurk hieß es in den frühen Samstagsstunden, man peile für kommendes Jahr einen Europameisterschaftskampf an.

Beeindruckende Location: Die SAP-Arena mit ihren 13.000 Plätzen war bei der „Night of the Heavyweights“ gut gefüllt.

Überhaupt stehen die schweren Jungs von RSZ-Macher Florian Winter in den Startlöchern, um sich höhere Meriten zu verdienen. Peter Kadiru kontrollierte seinen Kampf gegen einen engagierten, aber boxerisch unterlegenen Senad Gashi fast durchweg, sodass am Ende ein verdienter Punktsieg für den Hamburger zu Buche stand. Der Kölner Nelvie Tiafack fuhr unter den Augen der Fans in der zum Box-Tempel umfunktionierten Arena einen unaufgeregten Punktsieg gegen Mateus Munhoz Da Penha (Brasilien) ein. Dabei ging Tiafack in seiner noch jungen Profi-Karriere erstmals über die Distanz von sechs Runden. Und als Headliner der Schwergewichtsnacht von Mannheim performte schließlich Emanuel Odiase. Der Heidelberger kämpfte gegen den Briten Nick Webb um den Europameistergürtel der IBF und benötigte keine vollen zwei Runden, um zum Erfolg zu kommen.

Odiase beeindruckt Box-Idol Schulz

Beweglich auf den Beinen, brachte Odiase vor allem seine Rechte immer wieder ins Ziel und setzte gegen Webb schließlich einen schnellen K.o. „Ich bin schon heute früh ganz locker in den Kampftag hineingegangen“, verriet das Aushängeschild von Promoter Florian Winter im Post-Fight-Interview. Der Druck, als Hauptkämpfer vor heimischer Kulisse zum Erfolg zu kommen, stellte für den sympathischen Schwergewichtler keine allzu große Hürde dar. Fand auch Box-Idol Axel Schulz: „Sensationell, wie Emanuel es geschafft hat, so eine Last zu stemmen und abzuliefern. Er hat mich beeindruckt.“

Boxen meets Entertainment: Als Show-Act heizte der „Monnemer Türk“ Bülent Ceylan mit Metal-Sound den Fans ein.

Für den 27-Jährigen selbst wurde damit ein Traum wahr. „Ich widme diesen Kampf allen Kindern, die Träume haben“, sagte Odiase. „Ich bin als kleiner Junge oft an der SAP-Arena in Mannheim vorbeigefahren und habe gedacht: ‚Da boxe ich einmal.‘ Liebe Kinder: Glaubt an eure Träume, holt euch jemanden, der sie unterstützt, und verfolgt sie.“ Das nächste Ziel des 2,03 Meter großen Boxprofis: der Weltmeister-Gürtel in 2027. Dabei setzt Odiase auch auf einen Generationenwechsel in der Königsklasse, wenn Top-Fighter wie Oleksandr Usyk (39), Tyson Fury (37) und Anthony Joshua (36) endgültig die Box-Rente einreichen.

„Andere Promoter können sich warm anziehen“

Apropos Joshua: Beeindruckt von der Kulisse und der Inszenierung in Mannheim zeigte sich auch AJ-Promoter Eddie Hearn. Als „Weltklasse-Show“ lobte der Matchroom-Boss die Veranstaltung von Florian Winter. Über Odiase sagte Hearn: „Er ist gut, aber noch weiß keiner, wer er ist.“ Und führte aus, dass es für einen populären Boxer keinen Wert habe, „gegen jemanden zu kämpfen, den niemand wirklich kennt, zumal wenn es ein gefährlicher Fight ist“. Heißt, für Winter und seine Ringside Zone könnte es kostspielig werden, adäquate Kontrahenten zu finden, die Odiases Titelhoffnungen nähren und ihn sportlich weiterbringen.

Solche Statements werden Winter allerdings kaum von seinen Plänen abbringen. Erstmals hatte der Promoter in Mannheim mit der ARD einen TV-Partner präsentiert, der seine Veranstaltung im Streaming übertrug. Finanziell dürfte dieser Deal noch keine lohnende Kooperation sein, wie Winter noch im Ring der SAP-Arena andeutete. Doch wenn man ohne große Gelder so eine Veranstaltung auf die Beine stelle, „können sich die anderen Promoter warm anziehen, wenn wir einmal mehr TV-Gelder bekommen“.

Auch Matchroom-Promoter Eddie Hearn (l.) und Box-Kunstsammler Ingo Wegerich waren beim Box-Event von Ringside Zone dabei. (Fotos: privat)

Auch in den anderen Gewichtsklassen hatte der Schwetzinger Unternehmer an diesem langen Box-Abend durchaus unterhaltsame Fights präsentiert. Mittelgewichtler Oluwole Jan Ciosek besiegte den US-Amerikaner Shae Green, einen Schützling von Ring-Legende Roy Jones Jr., einstimmig nach Punkten. Box-Influencer Edmon „Ringlife“ Avagyan (Cruiser) feierte mit einem Drittrunden-K.o. gegen den Tschechen Patrik Fiala ein fulminantes Profidebüt in Mannheim. Eine spektakuläre Ringschlacht lieferten sich Devrim Gökduman und Franklyn Dwomoh im Leichtgewicht, das nach zehn Runden im Kampf um den EM-Gürtel der IBF unentschieden endete.

Deutschland vs. England im Ring

Für ein enges Duell um die Deutsche Meisterschaft im Cruiser sorgten auch RSZ-Fighter Alexander Okafor und Elija Ülküseven, das schließlich per Split Decision an Okafor ging. Die meisten in der Halle hatten jedoch Ülküseven als Sieger gesehen. Zum Abschluss der Mannheimer Box-Nacht teilten die Weltergewichtler Karen Chukhadzhian (Ukraine) und Paddy Donovan (Irland) den Ring. Zwei Niederschläge in den Runden sechs und acht kosteten Chukhadzhian womöglich den Sieg in einem Final Eliminator der IBF, der per Majority Decision an Hearns Schützling Donovan ging.

Dem Vernehmen nach soll bereits die nächste Veranstaltung von Ringside Zone noch in diesem Jahr im Ausland stattfinden. So sprach Florian Winter bei der Night of the Heavyweights davon, einen Event mit deutschen und englischen Boxern zu organisieren. „Dann zeigen wir den Engländern, dass wir besser sind“, befeuerte er das Vorhaben mit einem Seitenhieb auf Hearn. Und: „Zu 100 Prozent“ sei das deutsche Boxen mit dem Event in Mannheim wieder voll zurück.

Text: Frank Schwantes

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