Umstrittenes Urteil überschattet Sturm-Abschied | BOXSPORT

Umstrittenes Urteil überschattet Sturm-Abschied

Felix Sturm beendet seine Karriere mit einer knappen Punktniederlage gegen Granit Stein – doch viele Beobachter hatten den Ex-Weltmeister vorne.

Ein großer Boxer sagt Lebewohl: Felix Sturm verliert seinen letzten Kampf, blickt aber stolz auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. (Foto: imago-images / Pressefoto Baumann)

Felix Sturm hat seine außergewöhnliche Laufbahn mit einer umstrittenen Niederlage beendet. Im letzten Kampf seiner Karriere unterlag der 47-Jährige in Stuttgart dem zwölf Jahre jüngeren Granit Stein nach zehn Runden per Split Decision. Während Punktrichter Adrian Laschescu Sturm mit 96:93 vorne sah, werteten die beiden anderen Juroren den Kampf mit 96:95 und 95:94 für Stein. Das Urteil sorgte unmittelbar nach der Verkündung für Diskussionen.

Stein präsentierte sich zwar über weite Strecken als der aktivere Boxer, traf mit vielen seiner Aktionen jedoch auf die stabile Deckung des früheren Weltmeisters. Sturm agierte kontrolliert aus der Ringmitte, brachte seinen Jab regelmäßig ins Ziel und landete nach Ansicht vieler Beobachter die klareren Treffer. Sein Gegner wurde in der sechsten Runde nach einem Kopfstoß verwarnt und mit einem Punktabzug bestraft.

Auch der Punktrichter, der Sturm vorne gesehen hatte, verteidigte seine Wertung. „Ich habe Felix Sturm vorn gesehen“, erklärte Laschescu nach dem Kampf. Ähnlich bewerteten Matchmaker Hagen Döring und Sturm-Manager Roland Bebak das Geschehen. „Für mich hat Felix den Kampf gewonnen. Er hat die klareren Treffer gehabt“, sagte Bebak. Sturm nahm die Entscheidung dennoch gefasst auf. „Man wünscht sich einen anderen Abgang, aber so ist das Leben. Ich hatte eine tolle Karriere“, erklärte der frühere Champion.

Diese Karriere führte ihn zu fünf Weltmeistertiteln im Mittel- und Supermittelgewicht sowie in zahlreiche große Kämpfe. Besonders sein Duell mit Oscar de la Hoya im Jahr 2004 machte ihn international bekannt. Mit seinem Abschied verlässt einer der letzten großen Namen der goldenen deutschen Boxgeneration den Ring – wenn auch mit einem Ergebnis, über das wohl noch länger diskutiert werden dürfte.

Text von Robin Josten