Claressa Shields schließt einen Kreis: Ausgerechnet gegen Franchon Crews-Dezurn bestreitet sie am Samstag den ersten Fight ihres millionenschweren neuen Vertrags – und verteidigt dabei ihren Undisputed-Status im Schwergewicht.

Claressa Shields liebt Geschichten, die sich selbst schreiben. Sechs Monate vor den Olympischen Spielen 2012 zieht die 16-Jährige bei den US-Trials ausgerechnet die nationale Nummer eins: Franchon Crews-Dezurn. Shields gewinnt, fährt nach London und holt Gold. Zwei weitere Amateur-Siege gegen Crews-Dezurn folgen, dann noch ein vierter Erfolg beim gemeinsamen Profi-Debüt 2016.
Jetzt kommt Kapitel fünf. Am Samstag verteidigt Shields ihren unumstrittenen Schwergewichts-Status – wieder gegen Crews-Dezurn. Für Shields fühlt sich das an wie ein Schicksals-Match: Beide seien „aus irgendeinem Grund immer miteinander verbunden“, sagt sie.
Vertrag mit Ansage
Der Zeitpunkt ist kein Zufall, sondern Bühne. Shields steigt erstmals seit dem Abschluss ihres neuen Multi-Fight-Deals in den Ring. Der Vertrag, unterschrieben im November mit Wynn Records und Salita Promotions, soll 8 Millionen Dollar wert sein – plus 3 Millionen Dollar Signing Bonus. Summen, die im Frauenboxen selten sind. Shields sieht darin späte Gerechtigkeit. Nach zwei Olympiasiegen habe sie damals keinen großen Bonus bekommen. Jetzt, Jahre später, fühle es sich an, als bekäme sie das Versäumte zurück.
Die 30-Jährige ist als Profi ungeschlagen, holte ihren ersten WM-Titel schon im vierten Kampf und stapelt seitdem Gürtel über mehrere Gewichtsklassen. Der nächste Antrieb kommt nicht aus Mangel, sondern aus Ehrgeiz: Sie will häufiger auf den K.o. gehen, nachdem sie Gegnerinnen lange dominiert.
Auch die Herausforderinnen melden sich. Lauren Price und Mikaela Mayer haben zuletzt öffentlich angeklopft. Shields’ Antwort ist klar: Wenn sie beweisen wollen, wie groß sie sind, dann zu ihren Konditionen. Sie will nicht „zwei, drei Gewichtsklassen runter“, nur weil andere rufen. Als Vergleich nennt sie Terence Crawford, der für den Canelo-Fight mehrere Limits hochging.
Text von Robin Josten