Oleksandr Usyk entgeht gegen Rico Verhoeven nur knapp seiner ersten Profi-Niederlage

Vor der spektakulären Kulisse der Pyramiden von Gizeh stand einer der besten Boxer der Welt plötzlich kurz vor seiner ersten Niederlage im Profibereich gegen Kickbox-Legende Rico Verhoeven.
Oleksandr Usyk verließ den Ring am Ende zwar als Sieger, nachdem der Kampf in letzter Sekunde der elften Runde abgebrochen wurde. Doch der niederländische Box-Neuling hatte das Geschehen bis zum umstrittenen Abbruch weitgehend unter Kontrolle.
Usyk (25-0, 16 K.o.) wirkte bei der Veranstaltung in Kairo, Ägypten, ungewohnt anfällig. Verhoeven (1-1, 1 K.o.) marschierte vorsichtig nach vorne und setzte seine deutlichen Reichweiten- und Größenvorteile effektiv ein. Der Ukrainer fand bis zur neunten Runde kaum Antworten auf den Druck und den Jab des Niederländers. Selbst das DAZN-Kommentatorenteam zeigte sich überrascht darüber, dass Usyks sonst so starke Beinarbeit und Defensivbewegungen deutlich unter seinem gewohnten Niveau lagen.
Bis zum Finish hatte Verhoeven nahezu jede Runde für sich entschieden, während sich abzeichnete, dass Usyk vor seiner ersten Profi-Niederlage stehen könnte. Doch in der zehnten Runde schaltete der vereinte Schwergewichts-Champion plötzlich einen Gang höher. Mit präzisen linken und rechten Händen zum Kopf brachte Usyk das Momentum auf seine Seite.
In der elften Runde setzte Usyk seine späte Aufholjagd fort und schickte Verhoeven mit einem perfekt getimten rechten Uppercut auf die Bretter. Der Niederländer kam zwar wieder auf die Beine, doch Usyk roch nun das vorzeitige Ende. Nachdem Verhoeven seinen Mundschutz fallen ließ, um Zeit zu gewinnen, entwickelte sich eine hektische Schlussphase. Nur eine Sekunde vor dem Gong landete Usyk mehrere klare Treffer zum Kopf, ehe Ringrichter Mark Lyson den Kampf überraschend bei 2:59 Minuten der Runde abbrach – obwohl beide Boxer noch im Schlagabtausch waren.
Bemerkenswert war zudem die Punktwertung der Punktrichter: Zwei Judges hatten den Kampf mit 95-95 ausgeglichen bewertet, während ein Punktrichter Verhoeven vorne sah. Zwar befand sich Verhoeven zum Zeitpunkt des Abbruchs ernsthaft in Schwierigkeiten und wäre in der zwölften sowie letzten Runde womöglich gestoppt worden, doch der Niederländer hatte sich das Recht verdient, bis zum Ende zu kämpfen.