Genau heute vor 50 Jahre, am 1. Oktober 1975, tobte eine erbitterte Schlacht im „Araneta Coliseum“ von Manila, bei der Muhammad Ali und Joe Frazier sogar ihr Leben aufs Spiel setzen. Die wichtigsten Fragen rund um den „Thrilla in Manila“.

Der dritte Kampf zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier schrieb Box-Geschichte. Kein anderer WM-Fight im Schwergewicht war brutaler und erbarmungsloser als der „Thrilla in Manila“. BOXSPORT blickt auf das legendäre Duell vom 1. Oktober 1975 zurück und beantwortet die sieben wichtigsten Fragen dazu.
1. Wer gewann den „Thrilla in Manila“?
Den Kampf gewann Muhammad Ali gegen Joe Frazier. Der „Thrilla“ fand am 1. Oktober 1975 in Manila, Philippinen, statt. Dabei standen Alis Gürtel der Verbände WBC und WBA auf dem Spiel. Das Duell wurde nach der 14. von 15 angesetzten Runden abgebrochen, Ali darauf zum Sieger erklärt. „The Greatest“ lag zu diesem Zeitpunkt auf allen drei Scorecards (66:60, 66:62, 76:62) vorn. Der Champion spielte im Ring zunächst seine Schnelligkeit aus, schickte Frazier in die Seile. Aber der blieb standhaft und setzte seinerseits zunehmend schwere Treffer. Die weiteren Runden gingen an „Smokin’ Joe“, der Fight wurde immer brutaler. Doch das Momentum wechselte erneut zugunsten von Ali. In der 13. Runde hatte The Greatest seinen Rivalen am Rande des K.o., nach der 14. warf Fraziers Coach Eddie Futch schließlich das Handtuch.
2. Warum wurde der Kampf abgebrochen?
Der Thrilla in Manila fand vor 25.000 Zuschauern im „Araneta Coliseum“ unter extremen Bedingungen statt. Damit der Fight zur abendlichen TV-Sendezeit in den USA gezeigt werden konnte, boxten Ali und Frazier vormittags bei rund 40 Grad Hitze und sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Das machte ihn zu einem der härtesten Kämpfe in der Geschichte des Boxens. Nach 14 Runden, in denen sich die Rivalen gegenseitig schwer zusetzten, waren die Augen von Smokin’ Joe geschwollen – er konnte kaum noch sehen und war am Ende seiner Kräfte. Obwohl sein Schützling weiterkämpfen wollte, entschied Coach Eddie Futch, die Gesundheit Fraziers zu schützen und abzubrechen. Ali war ebenfalls am Ende seiner Kräfte und kollabierte kurz nach dem Abbruch. Beide Boxer befanden sich aufgrund ihres Flüssigkeitsverlustes zeitweise in Lebensgefahr. „Es war wie der Tod“, kommentierte Ali anschließend.
3. Warum kämpften Ali und Frazier auf den Philippinen statt in den USA?
Promoter Don King wollte den strengeren Auflagen in den USA entgehen und wich mit Ali vs. Frazier III in die Hauptstadt der Philippinen aus. Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos wollte diesen Fight unbedingt aus Prestigegründen austragen. Er nutzte den Thrilla in Manila als medienwirksames Ereignis, um sein Land international zu präsentieren. Marcos sponserte auch die Börsen der beiden Kämpfer. Er regierte den Inselstaat im Pazifik wie ein Diktator, dies seit 1969 in zweiter Amtszeit. Zur Zeit des Kampfes herrschte auf den Philippinen „Kriegsrecht“, das Marcos 1972 verhängt hatte.
4. Warum wurde der Kampf „Thrilla in Manila“ genannt?
Dieser Spitzname für das Duell Ali vs. Frazier III entstand durch Muhammad Ali. The Greatest besaß nicht nur eine große Klappe, sondern er verhöhnte seine Gegner auch gern in Reimen. Im Vorfeld des Kampfes textete er: „It’s gonna be a thrilla, and a chilla, and a killa, when I get the Gorilla in Manila.“ Seinen Kontrahenten Joe Frazier hatte er zuvor als „Gorilla“ verspottet.
5. Wie viel Geld verdienten Ali und Frazier mit diesem Fight?
Muhammad Ali erhielt eine garantierte Summe von 4,5 Millionen Dollar bei einem Anteil von 43 Prozent der Bruttoeinnahmen, während Frazier eine garantierte Summe von zwei Millionen Dollar bei einem Anteil von 22 Prozent kassierte. Der „G.O.A.T.“ verdiente letztendlich etwa neun Millionen und Frazier rund fünf Millionen Dollar.
6. Wie gingen die ersten beiden Duelle Ali vs. Frazier aus – und wer war Favorit in Manila?
Der erste Kampf der beiden Rivalen fand am 8. März 1971 als „The Fight of the Century“ im Madison Square Garden von New York (USA) statt. Joe Frazier war WBC-Weltmeister im Schwer, Ex-Champion Muhammad Ali sein Herausforderer. Der Kampf selbst übertraf sogar den Hype, der im Vorfeld gemacht worden war. Smokin’ Joe gewann den Fight der beiden bis dato unbesiegten Boxer einstimmig nach Punkten. Zur Revanche kam es am 28. Januar 1974, erneut im „Garden“. Das Duell lief unter dem Slogan „Super Fight II“ und wurde von Ali einstimmig nach Punkten gewonnen. Damit stand es 1:1 zwischen den beiden. Im dritten Kampf 1975 in Manila ging der G.O.A.T. als 8:5-Favorit der Buchmacher.
7. Wie war das Verhältnis zwischen den Rivalen – vor und nach dem Kampf?
Zunächst waren Joe Frazier und Muhammad Ali Freunde. Weil Ali den Kriegsdienst in Vietnam verweigerte, verlor er seine Boxlizenz. Frazier lieh ihm Geld und setzte sich dafür ein, dass Alis Sperre aufgehoben wird. Vor ihrem ersten Kampf 1971 kam es zum Zerwürfnis: Ali verspottete Frazier als „Onkel Tom“, als nützlichen Idioten des weißen Establishments. Vor dem Thrilla in Manila beschimpfte er ihn als „Gorilla“. Darauf wütete Frazier: „Ich reiß diesem Halbblut sein Herz aus der Brust.“ Lange Zeit verzieh Smokin’ Joe seinem früheren Kumpel nicht. „Wenn ich gekonnt hätte, ich hätte ihn hineingeworfen“, giftete er, als der schon schwer von Parkinson gezeichnete Ali 1996 in Atlanta das Olympische Feuer entzündete. Erst wenige Jahre bevor Frazier 2011 seinem Krebsleiden erlag, soll er Ali vergeben haben.
Text von Frank Schwantes