Anthony Joshua zeigt Jake Paul brutal die Grenzen auf. Nach Miami ist klar: Zwischen Show und Weltklasse liegt ein gewaltiger Unterschied.

Die Debatte ist beendet: Nach der klaren Niederlage gegen Anthony Joshua ist die Idee von Jake Paul als ernstzunehmendem WM-Kandidaten kaum noch haltbar. Beim Netflix-Event in Miami zeigte sich der enorme Unterschied zwischen Entertainment-Boxen und Weltklasse-Niveau. Paul überstand acht Runden, wirkte dabei jedoch defensiv, passiv und ohne erkennbare Siegambitionen.
Experten wie Chris Algieri und Paulie Malignaggi sparten im Nachgang nicht mit Kritik. Paul habe „nicht versucht zu gewinnen“, sondern lediglich zu überleben. „Als ich den großen Ring sah, wusste ich, dass er um sein Leben rennen würde. Er wäre in der ersten Runde k.o. gegangen“, sagte der ehemalige Halbweltergewichts- und Weltergewichts-Champion Malignaggi. „Als Kämpfer hat man keinen Respekt. Dieser Clown würde das acht Runden lang machen, wenn er könnte.“ Er führte aus: „Was mich am meisten stört, ist die Schamlosigkeit seiner Vorgehensweise. Du willst ein Boxer sein? Dann mach dich und den Sport nicht lächerlich. Du warst völlig zufrieden damit, allen Geld zu stehlen, indem du acht Runden lang weggerannt bist. Niemand respektiert so etwas.“
Algieri behauptete, dass die Leistung das große Interesse an einem Kampf zwischen Joshua und Tyson Fury in England nicht geschmälert habe. „Dieser Kampf muss stattfinden. Tyson Fury sieht den Paul-Kampf und sagt: ‚Warum sollte ich nicht gegen diesen Kerl kämpfen?’ Wir wissen, dass beide nicht auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sind, aber dieser Kampf muss stattfinden, und ich denke, er wird sehr gut laufen.“
Besonders deutlich wurde: Gegen echte Top-Athleten reicht Reichweite, Physis oder Selbstvermarktung nicht aus. Joshua dominierte trotz langer Pause und machte klar, dass Pauls Ambitionen auf Titel – selbst im Cruisergewicht – realitätsfern sind. Unbestritten bleibt Pauls Talent als Promoter und Vermarkter. Doch sportlich dürfte der Kampf ein Wendepunkt sein. Entertainment-Fights ja – WM-Träume eher nein.
Text von Robin Josten