Fury vs. Joshua: „Das halte ich für absurd“ | BOXSPORT

Fury vs. Joshua: „Das halte ich für absurd“

Box-Experte Bernd Bönte kritisiert die Planung zu Fury vs. Joshua, die „Battle of Britain“ in New York statt in Großbritannien auszutragen.

Nachdem das Briten-Duell Fury vs. Joshua jahrelang nicht realisiert werden konnte, soll es nun in den USA stattfinden. (Foto: Mark Robinson/Goldstar)

Auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht, scheint die langersehnte „Battle of Britain“ zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua nun in den USA stattzufinden. Austragungsort des Mega-Fights soll der Madison Square Garden in New York sein, und zwar am 20. November.

Damit schauen die britischen Box-Fans sprichwörtlich in die Röhre. Statt das Schwergewichts-Spektakel Fury vs. Joshua live auf der Insel in einem Stadion erleben zu können, müssen sie das Duell einstigen Box-Giganten wohl zu nachtschlafender Zeit im Pay-TV verfolgen. BOXSPORT sprach darüber mit Schwergewichts-Kenner Bernd Bönte.

Bernd, obwohl zwei Engländer im Ring stehen, möchte Turki Al-Sheikh den Kampf in den USA steigen lassen. Wie stehst du dazu?

Bernd Bönte: Für mich ist das nach wie vor völlig unverständlich. Dieser Kampf gehört nach England oder zumindest nach Großbritannien – theoretisch wäre auch Cardiff im Winter mit einem geschlossenen Stadiondach denkbar. Ihn in Europa mitten in der Nacht oder gleich in den USA auszutragen, nur damit er zur besten US-Sendezeit stattfindet, halte ich für absurd.

Wie schätzt du das Interesse an der „Battle of Britain“ in Übersee ein?

Ich glaube nicht, dass Fury gegen Joshua in den USA besonders viele Menschen interessiert. Keiner von beiden hat dort nachhaltig überzeugt oder sich als großes Zugpferd etabliert. Selbst Deontay Wilder war in den Vereinigten Staaten nie ein echter „Household Name“. Deshalb ist Fury vs. Joshua für den amerikanischen Markt aus meiner Sicht nur bedingt relevant. Der entscheidende Markt ist Großbritannien. Dort haben beide ihre große Fanbase, dort hat der Kampf seine Geschichte und emotionale Bedeutung.

Bernd Bönte (l., mit Agit Kabayel) arbeitete fast zwei Jahrzehnte als Manager, begleitete insbesondere die Karrieren von Vitali und Wladimir Klitschko. Seit 2019 ist er als Experte für den Sport-Streamingdienst DAZN im Einsatz. (Foto: DAZN)

Wen siehst du in diesem Duell vorn – und kann der Sieger im Schwergewicht noch mal ganz oben eingreifen?

Nach den zuletzt gezeigten Leistungen sehe ich Tyson Fury vorn. Anthony Joshuas größte Schwäche ist seine mentale Verfassung. Schon bei leichteren Treffern wirkt er unsicher und beginnt zu wackeln. Das ist für mich nicht eine Frage der Nehmerfähigkeiten, sondern vor allem der Psyche. Ein erfahrener Fuchs wie Fury wird versuchen, genau das schon in den Wochen vor dem Fight auszunutzen. Fury ist zwar kein harter Puncher, das ist ein gewisser Vorteil für AJ. Aber besonders mit seinen starken Uppercuts könnte er Joshua trotzdem große Probleme bereiten. Natürlich besitzt Joshua nach wie vor enorme Schlagkraft und kann jeden Gegner stoppen. Defensiv sehe ich bei ihm aber weiterhin deutliche Mängel: schwache Beinarbeit, …

Interview: Frank Schwantes

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