Was für ein Drama in London: Moses Itauma bestimmte lange das Geschehen, ehe ihm die Kräfte schwanden. Filip Hrgovic nutzte seine Chance und schrieb kroatische Boxgeschichte.

Eigentlich sollte der Abend in der ausverkauften O2 Arena zur Krönung von Moses Itauma werden. Stattdessen schrieb Filip Hrgovic kroatische Boxgeschichte. Der 34-Jährige stoppte den hoch gehandelten Briten in der neunten Runde und sicherte sich den vakanten IBF-Weltmeistertitel im Schwergewicht. Dabei sah zunächst fast alles nach einem Sieg Itaumas aus. Der 21-Jährige startete mit hohem Tempo, erwischte Hrgovic immer wieder mit schnellen und harten Kombinationen und schickte ihn bereits in Runde zwei kurz zu Boden. Über weite Strecken war der Youngster der deutlich aktivere und präzisere Mann. Doch Hrgovic ließ sich nicht brechen. Selbst schwere Treffer konnten den Kroaten nicht nachhaltig erschüttern. Während Itauma viel Energie investierte, wartete Hrgovic geduldig auf seine Gelegenheit.
Die kam in der zweiten Kampfhälfte. Itaumas Tempo sank, seine Bewegungen wurden schwerfälliger und Hrgovic begann, den Druck zu erhöhen. Spätestens in Runde acht war zu erkennen, dass der Favorit körperlich an seine Grenzen kam. Im neunten Durchgang kippte der Kampf endgültig. Hrgovic setzte dem erschöpften Itauma massiv zu, der kaum noch wirkungsvoll antworten konnte. Ringrichter Howard Foster beendete das Duell nach 2:27 Minuten, nahezu zeitgleich warf Itaumas Trainer Ben Davison das Handtuch. Für Itauma war es die erste Niederlage überhaupt – sowohl als Amateur als auch als Profi. Nach dem Kampf wurde er aufgrund einer Beinverletzung auf einer Trage aus der Arena gebracht.
Hrgovic (21-1, 16 K.o.) dagegen feierte den größten Erfolg seiner Karriere und ist der erste kroatische Schwergewichts-Weltmeister. Nach seiner Niederlage gegen Daniel Dubois im Jahr 2024 hatte er zwischenzeitlich sogar über ein Karriereende nachgedacht. Nun steht er an der Spitze – und dürfte als Nächstes gegen den Kubaner Frank Sanchez antreten.
Text von Robin Josten