Allen Widerständen zum Trotz setzt Agit Kabayel seinen Siegeszug im Schwergewicht fort, besiegt auch den Polen Damian Knyba vorzeitig. Bekommt der Interims-Champ des WBC nun sein Duell mit Weltmeister Oleksandr Usyk?

Nicht einmal drei volle Runden benötigte Agit Kabayel am Samstagabend in der Oberhausener Rudolf-Weber-Arena, um der Box-Welt erneut einen Nachweis seines enormen Leistungsvermögens zu geben. Der Interims-Weltmeister des Verbandes WBC besiegte seinen Herausforderer Damian Knyba beim „Homecoming“ durch Technischen K.o. nach 2:36 Minuten in der Dritten. Ringrichter Mark Lyson brach das Duell vor 13.000 begeisterten Zuschauern vorzeitig ab, nachdem Kabayel etliche Wirkungstreffer erzielt und Knyba damit schwer ins Wanken gebracht hatte.
„Hände aus Beton“
Doch in Oberhausen lief zunächst nicht alles nach Plan. In der ersten Runde fand der „Leberking“ nicht wirklich in den Kampf gegen den zehn Zentimeter größeren Knyba, fing sich zudem einen Cut am Auge ein. „Da war ich ein wenig eingefroren“, gestand Kabayel anschließend. „In der ersten Runde war ich einfach nicht komplett da.“ Vielmehr hatten die Kulisse und die Atmosphäre den 33-Jährigen mehr beeindruckt als erwartet.
„Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass Agit den Kampf noch so schnell beenden würde“, erklärte Trainer Sükrü Aksu gegenüber BOXSPORT. In der Rundenpause rückte er seinem Schützling den Kopf zurecht und trichterte ihm ein: „Der ist nicht unsere Liga. Wenn du Weltmeister werden willst, musst du den putzen.“ Das tat Kabayel, walzte den „Polish Hussar“ förmlich nieder und beendete das Duell vor allem mit harten und präzisen Haken zum Kopf. „Knyba kam anschließend in unsere Kabine und meinte, Agit hätte Hände aus Beton“, berichtete Aksu.
„Habe ich den Kampf nicht verdient?“
Ob Kabayel nun ähnlich fix zum angestrebten WM-Kampf kommt wie zum Sieg gegen Knyba, bleibt allerdings zweifelhaft. Der unbesiegte Ruhrpott-Held ist längst Pflichtherausforderer von WBC-Champ Oleksandr Usyk, doch dieser macht weiterhin keine Anstalten, sich einem Duell gegen Kabayel zu stellen. Stattdessen soll Usyk als Nächstes einen Kampf gegen Ex-Weltmeister Deontay Wilder in den USA vorziehen. „Wir haben ein Statement gesetzt. Wir haben gezeigt, dass das deutsche Boxen lebt“, erklärte Kabayel im Ring-Interview nach seinem T.K.o.-Sieg in Oberhausen. Und rief seinen Fans zu: „Wenn ich mir es aussuchen könnte: Wir sind jetzt ready für die WM!“
Dass er das ist, davon überzeugten sich in der Rudolf-Weber-Arena auch potenzielle Herausforderer wie Lawrence Okolie und Tony Yoka. Auch Tyson Fury und Filip Hrgovic werden als mögliche Gegner für den deutschen Schwergewichts-König mit kurdischen Wurzeln gehandelt. Doch diese interessieren Kabayel nicht. „Ich habe drei Boxer von absolutem Weltformat besiegt. Makhmudov, Sanchez, Zhang. Und jetzt noch den ungeschlagenen Knyba“, stellte er klar. „Das ist kein Disrespect gegenüber Yoka, Okolie und Co. Aber habe ich den Kampf gegen Usyk nicht verdient?“
Gegen Usyk in Deutschland
Deshalb will sein Team weiter Druck auf den Verband ausüben. Schon im Vorfeld des Homecomings hatte Kabayel-Promoter George Warren (Queensberry) zugesichert, er werde nun „hohen Druck auf den WBC machen, damit Agit die Chance auf den Titel bekommt“. Ähnlich sieht es Manager Spencer Brown, der den Verband aufforderte, seine Statuten endlich zu befolgen und das Duell Kabayel vs. Usyk zu realisieren. Am liebsten in Deutschland, denn „hier lebt die größte ukrainische Community außerhalb der Ukraine“. Dafür schwebt Brown ein großes Stadion vor. Die Arena auf Schalke in Gelsenkirchen mit einer Kapazität von mehr als 60.000 Plätzen sei etwa dafür geeignet. „Wenn die Stimmung so wie hier in Oberhausen sein wird, dann könnte es eines der besten Publikumserlebnisse aller Zeiten werden“ – und Agit Kabayel endlich erster deutscher Schwergewichtsweltmeister seit Max Schmeling.
Text: Frank Schwantes