On this Day: Manfred Wolke wäre 83 geworden | BOXSPORT

On this Day: Manfred Wolke wäre 83 geworden

Heute vor 83 Jahren wird Manfred Wolke geboren. Olympiasieger 1968, später Kult-Trainer von Henry Maske. Ein Name der bis heute für Disziplin steht.

Manfred Wolke 2009 im Frankfurter Box-Gym „Wolke-Camp“. (Foto: IMAGO / Michael Handelmann)
Manfred Wolke 2009 im Frankfurter Box-Gym „Wolke-Camp“. (Foto: IMAGO / Michael Handelmann)

Manfred Wolke wird am 14. Januar 1943 in Potsdam-Babelsberg geboren. Heute wäre der Box-Olympiasieger 83 Jahre alt. Wolke prägt den deutschen Boxsport über Jahrzehnte. Erst als aktiver Boxer. Später als Trainer und Mentor.

Er wächst als jüngstes von zehn Kindern auf, ohne Vater, der im Krieg fällt. Er lernt Lokomotivschlosser und Fräser, bevor ihn der Sport endgültig packt. Erst spielt er Fußball bei der BSG Motor Babelsberg, doch 1959 wechselt er in die Boxsektion. 1965 geht er zum ASK Vorwärts Berlin, wo Leistungssport und System eng verzahnt sind. Er erhält einen militärischen Dienstgrad und ist bis 1989 SED-Mitglied. 1969 zieht es ihn nach Frankfurt (Oder) zum ASK Vorwärts, der später zu seiner sportlichen Heimat wird.

Gold 1968 und DDR-Aushängeschild

Wolke sammelt nationale Titel und internationale Medaillen. Er wird von 1967 bis 1970 DDR-Meister im Weltergewicht und 1971 im Halbmittelgewicht. Bei Europameisterschaften holt er 1967 und 1971 Silber. Den größten Moment erlebt er 1968 in Mexiko-Stadt, als er olympisches Gold gewinnt und im Finale Joseph Bessala bezwingt. Diesen Triumph beschreibt er später als entscheidend für sein weiteres Sportlerleben, weil er ihm Selbstvertrauen und Status gibt, die über den Ring hinausreichen. 1972 trägt er bei den Spielen in München die DDR-Flagge, scheitert aber früh, da ihn eine Verletzung an der Augenbraue behindert. Kurz darauf beendet er seine Karriere mit 258 Kämpfen und 236 Siegen.

Lehrmeister für Maske und Schulz

Nach dem Studium an der Deutschen Hochschule für Körperkultur arbeitet Wolke als Trainer und formt Champions. Er betreut Rudi Fink auf dem Weg zu Olympia-Gold 1980 und führt Henry Maske 1988 ebenso zu olympischem Gold sowie 1989 zum WM-Titel bei den Amateuren. Auch Axel Schulz gehört zu seinen Schützlingen.

1990 wechselt Wolke mit Maske ins Profilager zu Sauerland, und 1993 macht er Maske zum IBF-Weltmeister, wodurch beide zu zentralen Figuren des deutschen Box-Booms der 1990er Jahre werden. Maske sagt über ihn: „Ohne Manfred Wolke hätte ich das alles nicht erreicht.“ Er nennt Wolke den „Philosophen unter den Trainern“.

Wolke erlebt auch Tiefpunkte: 1985 wird er wegen Alkoholproblemen versetzt und degradiert, bevor er 1987 wieder Herrentrainer wird. Er coacht später weitere Profis, darunter Danilo Häußler, Timo Hoffmann und Enad Licina. Wolke stirbt am 29. Mai 2024 in Frankfurt (Oder) im Alter von 81 Jahren, doch sein Einfluss bleibt spürbar, weil viele Boxer noch heute nach seinen Prinzipien arbeiten.

Text von Robin Josten