Vor den Weltmeisterschaften 2025 von World Boxing in Liverpool: BOXSPORT sprach mit DBV-Superschwergewichtler Nikita Putilov über die Turniervorbereitung und seine Chancen auf Edelmetall.

Hallo Nikita, du bist aktuell mit dem DBV-Team im Trainingscamp in Sheffield. Zusammen mit acht weiteren Teamkolleginnen und -kollegen feilst du dort an der Form für die erste Elite-WM von World Boxing in Liverpool, die am 4. September beginnt. Wie lief deine Vorbereitung auf diesen sportlichen Höhepunkt des Jahres?
Insgesamt ganz okay. Klar, eine Vorbereitung kann immer besser laufen, aber wir befinden uns gerade in einer Umstrukturierung mit unserem neuen Zentrum für die internationale Wettkampfvorbereitung am Bundestützpunkt Boxen in Heidelberg. Bei der Zentralisierung läuft noch nicht alles optimal, aber das ist in der Anfangsphase auch normal. Ja, und hier in Sheffield holen wir uns aktuell den letzten Feinschliff. Ich bin fit, und es sollte alles passen bis zum ersten Gong.
„Die Konkurrenz ist riesig, die Leistungsdichte enorm.“
Beim World Boxing Cup in der kasachischen Hauptstadt Astana im Juli bist du erst im Finale durch den Kasachen Aibek Oralbay gestoppt worden. Eine wichtige Etappe auf dem Weg zur WM?
Absolut. Das Turnier mit starker Konkurrenz war wichtig für das Ring- und Wettkampfgefühl. Also eine richtig gute Vorbereitung für die nun anstehende WM, keine Frage.
World Boxing hat sich als Verband längst etabliert, ist vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt. Die Zahl der teilnehmenden Nationen ist in den vergangenen Monaten weiter gestiegen. Entsprechend leistungsstark dürfte das Teilnehmerinnen- und Teilnehmerfeld bei der WM in Liverpool sein. Welche Nationen schätzt du bei den Männern als besonders stark ein, ferner in deinem Limit im Superschwergewicht?
In Astana waren knapp 30 Nationen am Start, in Liverpool werden es rund 70 sein. Statt gut 250 Athletinnen und Athleten treten mehr als 550 an. Das zeigt, die Konkurrenz ist riesig, die Leistungsdichte enorm. In meinem Limit dürften Boxer aus Usbekistan, Kasachstan und Kuba zu den stärksten zählen. Das sind die drei Nationen mit großen Medaillenchancen. Aber: Jeder Gegner ist schlagbar. Es gilt, jeweils die Stärken und Schwächen herauszufinden, ihn im entscheidenden Moment zu knacken.
„Ich habe auch schon Olympia im Blick“
Ja, und nun die Gretchenfrage: Welche Chancen rechnest du dir in Liverpool aus, was erwartest du? Und: Orientierst du schon in Richtung Olympische Sommerspiele 2028 in Los Angeles?
Ganz klar, ich bin hierhergekommen, um mit der Goldmedaille wieder nach Hause zu fahren. Und: Ja, ich habe dabei auch schon Olympia im Blick. Wer bei der WM eine gute Platzierung erreicht und viele Punkte sammelt, wird bei Olympia besser geratet, also höher eingestuft. Die Top-Gegner warten dann erst ab dem Viertelfinale. Das ist ein Vorteil.
Kurz, meine Chancen sind da. Und Boxen ist zu 80 Prozent reine Kopfsache. Wenn man selbstbewusst an die Sache rangeht, ist alles möglich. Ich weiß, ich bringe alle Voraussetzungen mit, um erfolgreich zu sein. In Liverpool heißt es für mich, einfach durchziehen, siegen.
Interview: Oliver Rast