Bei den Olympischen Spielen 1988 wurde Roy Jones jr. um den verdienten Lohn gebracht. Doch sein damaliger Finalgegner Si-Hun Park hat für ein spätes Happyend gesorgt.

Boxen ist ein harter Sport – und trotzdem schreibt der Faustkampf manchmal rührende Geschichten. Wie im Fall von Roy Jones jr. Die US-amerikanische Box-Ikone wurde durch ein Skandal-Urteil bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul (Südkorea) um den verdienten Lohn gebracht. Doch Jones’ damaliger Finalgegner Si-Hun Park sorgte mit einer bewegenden Geste für ein spätes Happyend, wie die Box-Welt jetzt erfuhr.
Für Jones jr. war es wie ein Wunder
Si-Hun Park reiste dafür weit an. Der Südkoreaner, inzwischen 59 Jahre alt, suchte ein Gym in Pensacola (Florida) auf und hoffte, dort den Mann zu treffen, den er vor knapp 36 Jahren im olympischen Finale von Seoul mit 3:2 nach Punkten besiegt hatte. Roy Jones Jr. war tatsächlich in dem Gym vor Ort und in der Annahme, dort ein TV-Interview zu geben. Was dann geschah, war für den Ring-Helden, der später Profi-Weltmeister in fünf verschiedenen Gewichtsklassen wurde, wie ein Wunder.
Eines der größten Fehlurteile
Überwältigt von dieser Fairplay-Geste, nahm Jones die Goldmedaille von Park entgegen. Jene verdiente Auszeichnung, die ihm mit Ausnahme der drei Punktrichtern im Finale von 1988 die gesamte Box-Welt zugesprochen hatte. „Ein Boxer weiß einfach, ob er einen Kampf gewonnen oder verloren hat“, sagte der Südkoreaner bei der Übergabe der Medaille. „Ich dachte, ich hätte verloren, weil ich keinen Kampf geliefert hatte, der einen Sieg verdient hätte.“ Das Urteil im Halbmittelgewichts-Finale von 1988 gilt als einer der größten Skandale in der Geschichte des Amateurboxens.
Das emotionale Wiedersehen zwischen Jones und Park fand bereits vor über zwei Jahren statt, wurde aber erst jetzt in einem kurzen Video veröffentlicht. Gedreht hat es der Emmy-preisgekrönte Filmemacher Johnny Sweet, wie die „Welt“ berichtet. „Das ist verrückt“, kommentiert Jones in dem Video, während er sich an die Stirn schlägt und die Goldmedaille in den Händen hält.
Obwohl er das Finale verlor, wählten die Offiziellen Jones 1988 in Seoul zum besten Boxer des Turniers. Die Kampfrichter, die für den Olympia-Skandal gesorgt hatten und vermutlich bestochen waren, wurden suspendiert. Park hingegen schämte sich für seinen Sieg. Er beendete nach den Spielen in Seoul seine Karriere, ehe er später als Trainer zum Boxen zurückkehrte.
Text: Frank Schwantes