Abass Baraou spricht im exklusiven BOXSPORT-Interview über seinen Kampf in Orlando, den langen Weg bis zum WBA-Champ und sein Leben in den USA – Teil 1.

Hallo Abass, herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn. Mit deinem Sieg gegen Yoenis Tellez in Orlando (USA) hast du den vakanten WBA-Gürtel als Interims-Weltmeister gewonnen. Was ging dir durch den Kopf, als du das Urteil gehört hast?
Abass Baraou: Es war einfach nur riesige Freude! Ich habe in diesem Moment kurz zurückgeblickt auf die harte Arbeit der letzten Monate. Und war erleichtert, dass alles so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Viele Experten haben dich im Vorfeld nur als Außenseiter gesehen. Was war der Schlüssel zum Sieg gegen einen hochgehandelten Gegner wie Tellez?
Ich würde sagen, meine Erfahrung und mein Talent. Ich habe mich von dem ganzen Drumherum nicht beeinflussen lassen, war sehr zuversichtlich und siegessicher und hatte auch den nötigen Willen, um zu gewinnen.
Du hast vor dem Kampf gesagt, es wird eine Schlacht. Hat sich das bewahrheitet?
Obwohl es seine „Show“ war, war mir klar, dass ich den Kampf dominieren muss. Tellez hat gut dagegengehalten, daraus entwickelte sich eine Ringschlacht. Während des Fights hatte ich aber keine Zweifel an meinem Sieg. Ich habe mich an meinen Plan gehalten und versucht, die Runden klar zu gewinnen, damit es am Ende keine böse Überraschung gibt.
Wie hast du den Kampfverlauf in Erinnerung?
Ich wurde zunehmend stärker und damit auch siegessicherer. In einigen Runden habe ich mich ein wenig zurückgehalten, aber trotzdem dominiert. In den Augen meines Gegners konnte ich ganz früh einen besiegten Mann erkennen – ich habe Tellez zunehmend gebrochen. Ich musste auch einige Tiefschläge hinnehmen, habe mich aber nicht beschwert, weil ich wusste: Das sind Anzeichen der Verzweiflung.

Die WBA hat angekündigt, Terrence Crawford den WM-Gürtel im Halbmittel abzunehmen, sobald er gegen Canelo Alvarez antritt. Wie sehr fieberst du dem Duell der beiden am 13. September entgegen?
Uns wurde bereits zugesichert, dass ich zum regulären Weltmeister hochgestuft werde. Ich schaue mir den Kampf zwischen Canelo und Crawford live vor Ort an und hoffe, dass ich in Las Vegas zum Weltmeister ernannt werde.
Crawford steigt für diesen Fight vom Halbmittel- ins Supermittelgewicht auf. Wer ist dein Favorit?
Crawford besitzt ein herausragendes Talent. Doch es gibt gute Gründe für verschiedene Gewichtsklassen, und ich neige eher zu, dass Canelo den Kampf machen wird. Aber ich bin auch offen für Überraschungen.
Rückblick auf den 28. August 2020: Du unterliegst in einem hochklassigen IBF-Eliminator gegen Jack Culcay äußerst knapp. Im Anschluss verliert deine Karriere aber ein wenig den Drive. Woran lag das?
Die Coronapandemie hat damals eine große Rolle gespielt. Ich war zu dieser Zeit in England und es war schwierig, Kämpfe in Europa zu bestreiten.
Du bist 2018 Profi beim Sauerland-Stall geworden – und hast bis zuletzt bei Wasserman Boxing gekämpft, wo Kalle und Nisse Sauerland wieder die Fäden in der Hand halten.
Kalle und Nisse haben von Anfang an daran geglaubt, dass ich Weltmeister werde. Mein Vertrag bei Wasserman ist allerdings bereits ausgelaufen. Nun werden mein Manager Paul Gibson und ich Gespräche mit den Sauerland-Brüdern führen und schauen, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten können.
Du hast schon lange keinen Kampf mehr in Deutschland bestritten, zuletzt 2022. Woran liegt das?
In Box-Deutschland ist ja vor einiger Zeit ruhiger geworden. Aber mein Wunsch war es, weiterhin großartige Kämpfe zu bestreiten. Dafür muss ich erst einmal im Ausland boxen – die starken Kämpfer meiner Gewichtsklasse sind halt im Ausland. Aber ich sehne mich wieder nach großen Box-Events in Deutschland.
Interview von Frank Schwantes
Den zweiten Teil des Interviews mit Abass Baraou findet ihr hier.