Kabayels Homecoming: Bönte sagt K.o. voraus

Am 10. Januar verteidigt Interims-Weltmeister Agit Kabayel seinen WBC-Gürtel gegen Damian Knyba. Was vom favorisierten „Leberking“ in Oberhausen zu erwarten ist, erläutern zwei Experten.

Deutschlands Schwergewichts-Star Agit Kabayel (M.) im Gespräch mit den Box-Experten Uli Hebel (l.) und Bernd Bönte. (Foto: DAZN)

Es ist wie eine Reise in die jüngere Vergangenheit. Wenn Agit Kabayel am 10. Januar den Ring der Rudolf-Weber-Arena betritt, werden Erinnerungen wach an die letzte große Box-Ära in Deutschland. Der „Leberking“ muss seinen Gürtel als Interims-Weltmeister des WBC gegen den Polen Damian Knyba verteidigen – und 13.000 Fans werden in Oberhausen vor Ort mitfiebern. Eine Kulisse, wie es sie hierzulande beim Boxen zuletzt vor rund zehn Jahren gab: Als Wladimir Klitschko im November 2015 seine WM-Gürtel an Tyson Fury verlor, rieben sich 45.000 Zuschauer in der Düsseldorfer Esprit-Arena verwundert die Augen.

Neue Situation für Kabayel

Damals wie heute hautnah dabei: Bernd Bönte. Der ehemalige Box-Manager, der die Karrieren der Klitschkos ingesamt 18 Jahre lang begleitete, wird DAZN-Kommentator Uli Hebel als Experte beim „Homecoming“ in Oberhausen unterstützen. Dass Kabayel auf dem Papier als Favorit in das Duell mit dem zehn Zentimeter größeren Knyba geht, ist für die beiden Kenner keine Überraschung. Und dennoch ist die Situation für den deutschen Top-Schwergewichtler diesmal eine andere.

„Agit geht das erste Mal in einem großen Fight als Favorit in den Ring. Es wird spannend, zu sehen sein, was das mit ihm macht. Ich glaube aber an einen Sieg via Knockout“, teilte Hebel dem „kicker“ mit. Noch konkreter wird Bönte: „Ich glaube, dass Kabayel den Kampf vorzeitig entscheiden wird, in Runde sechs oder sieben.“

„Längste Arme der Königsklasse“

Bei den letzten Auftritten des 33-jährigen Bochumers auf der „Riyadh Season“ sah das im Vorfeld noch anders aus. Sowohl gegen den Zwei-Meter-Riesen Arslanbek Makhmudov aus Russland, gegen den kubanischen Techniker Frank Sanchez (1,94 m) als auch gegen China-Koloss Zhang Zhilei (1,98 m) war Kabayel der Außenseiter. Im Ring setzte sich der Leberking dann aber mit seinem Boxstil jeweils vorzeitig durch.

Dennoch sollte Kabayel den in 17 Kämpfen unbesiegten „Polish Hussar“ (11 K.o.) nicht unterschätzen. „Knyba hat die längsten Arme der Königsklasse und ist für seine Größe sehr agil“, warnt Hebel. In Sachen Reichweite verfügt der Herausforderer (218 cm) über deutliche Vorteile gegenüber Kabayel (203 cm).

Blick voraus Richtung Usyk

Wie es für Deutschlands Schwergewichts-Star nach dem 10. Januar weitergehen könnte, skizziert schon einmal Bernd Bönte: „Sollte Agit siegen, hat kein Boxer auf der Welt das Duell mit Usyk mehr verdient als er. Eine andere Pflichtverteidigung beim WBC als Champion Usyk gegen Interims-Champion Kabayel wäre ein Skandal.“

Hintergrund: Obwohl im „Rotationssystem“ der großen Verbände Kabayel als WBC-Pflichtherausforderer an der Reihe wäre, hat der Verband bisher keinerlei Druck auf Usyk ausgeübt, seinen Titel gegen den Interims-Champ zu verteidigen. Der Ukrainer, der auch die WM-Gürtel der Verbände IBF und WBA hält, liebäugelt zunächst mit einem Kampf gegen Ex-Weltmeister Deontay Wilder in den USA. Insofern: Mit einem (klaren) Sieg gegen Knyba kann Agit Kabayel zumindest den öffentlichen Druck weiter forcieren.

Text: Frank Schwantes

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