Berlin hat einen neuen Box-Weltmeister! Mohamed Abou-Chaker ist Junioren-Weltmeister im Mittelgewicht beim GBC. In der ausverkauften Ofen-Stadthalle Velten holte er sich den Titel gegen den Mexikaner Zaid Hernandez Cortes.

Velten zeigte am Samstag, wie laut Boxsport in Brandenburg sein kann. Die Halle vibrierte vom ersten Gong an. Verantwortlich für das Feuerwerk war Veranstalterin Dorothea Ring, die nicht nur einen erstklassigen Abend auf die Beine stellte, sondern auch das Management des Publikumsmagneten Abou-Chaker führt. Wer eine ruhige Samstagnacht wollte, war hier wirklich falsch.
Zwölf Kämpfe standen auf dem Programm. Im Hauptkampf des Abends stand der ungeschlagene Berliner Mohamed Abou-Chaker, sieben Kämpfe, sieben Siege, fünf davon vorzeitig. Sein Gegner, der Mexikaner Zaid Hernandez Cortes, kam mit fünf Knockouts aus fünf Siegen sowie drei Niederlagen in den Ring und war fest entschlossen zu zeigen, dass er mehr war als eine Durchgangsstation. Zwei Linksausleger, beide konzentriert, beide unter Spannung. Abou-Chaker war eine Macht und übernahm mit dem ersten Gong das Kommando. Der Berliner machte massiven Druck und setzte den Mexikaner früh unter Beschuss. Bereits in der ersten Runde schickte eine präzise Links-rechts-Kombination Hernandez Cortes zu Boden. Der Referee musste anzählen.
Von da an verschärfte sich das Gefälle. Hernandez Cortes begann unter Abou-Chakers harten, geradlinigen Angriffen sichtbar zu zerbrechen. Der Berliner arbeitete mit technisch brillanten Kombinationen, kontrollierte Distanz und Tempo nach Belieben. Die Augen des Mexikaners schwollen zunehmend zu, jeder Schlag zeigte Wirkung. Vor jeder neuen Runde bekreuzigte sich Hernandez Cortes. Doch gegen den gnadenlosen Vorwärtsgang Abou-Chakers half keine Routine und kein Ritual. In der sechsten Runde folgte der nächste Niederschlag. Der Mexikaner ging erneut zu Boden und gab schließlich in der Pause auf. Er blieb in der Ecke sitzen – das Zeichen war eindeutig. Somit sicherte sich Abou-Chaker die Junioren-WM des Global Boxing Council im Mittelgewicht.
„Es war kein Boxen. Es war eine Schlägerei”
Für Cruisergewichtler Justin Marvin Hoffmann und Feras Alnimer begann der Abend intensiv und angespannt. Von Beginn an war klar: Das war kein Duell zwischen zwei Sportlern, die Freunde fürs Leben werden würden. Die Abneigung war greifbar, selbst in den hintersten Reihen. Die Begegnung wurde zunehmend unsauberer. Immer wieder musste Ringrichter Sergey Kovalenko eingreifen und die beiden Streithähne voneinander trennen. Doch anstatt sich zu beruhigen oder seinen Anweisungen zu folgen, gerieten Hoffmann und Alnimer erneut aneinander, stießen mit den Köpfen zu und ließen jede Form eines sportlich fairen Boxkampfes vermissen. Schließlich brach Kovalenko den Kampf ab. Seine Begründung fiel deutlich aus: „Es war kein Boxen, es war eine Schlägerei. Mehrfach habe ich versucht, die beiden zu trennen. Statt auseinanderzugehen, gerieten sie immer heftiger aneinander. So etwas hat nichts mit Sport und schon gar nichts mit Boxen zu tun.“
Ein Fight, der statt eines sportlichen Ergebnisses vor allem zeigte, wie schnell ein Duell kippen kann, wenn persönliche Spannungen die Kontrolle übernehmen. Maurice Milcke benötigte diesmal kaum Zeit, um seine Klasse auch im Mittelgewicht zu unterstreichen. Der Kampf gegen den Engländer John Watson endete bereits nach 1:10 Minuten in der ersten Runde. Eine sauber gesetzte rechte Schlaghand an die Stirn seines Kontrahenten reichte aus. Der Engländer ging schwer zu Boden und konnte den Kampf nicht mehr fortsetzen.
Milcke zeigte damit, dass der Schritt ins höhere Limit für ihn nicht nur machbar, sondern eine Weiterentwicklung ist. Watson, der aus dem Halbschwergewicht heruntergegangen war, wollte Milcke mit Erfahrung und Physis prüfen. Stattdessen wurde es für ihn ein kurzer Abend. Milckes überzeugender Knockoutsieg ließ keine Fragen offen.
Auch die übrigen acht Kämpfe des Abends hatten reichlich Zündstoff. Nachwuchstalente und Ringfüchse lieferten Duelle, die das Publikum immer wieder von den Sitzen rissen. Es wurde durchgepowert, gekontert, gelitten und gejubelt. Velten erlebte einen Abend, an dem Talente glänzten, Routiniers nicht alt aussahen, und eine Halle vor Begeisterung bebte. Dorothea Ring hat mit dieser Veranstaltung bewiesen, dass großer Boxsport nicht nur in Metropolen stattfindet, sondern überall dort, wo Menschen Lust auf Drama, Mut und ehrliche Fäuste haben.
Text von Wolfgang Wycisk