Moses Itauma hat in seiner Profikarriere bisher jeden Gegner mühelos besiegt. Am Samstag steigt der 20-Jährige mit Box-Veteran Dillian Whyte in den Ring – und weiß, womit er rechnen muss.

Zwanzig Jahre jung, makellose Bilanz, K.o.-Quote von mehr als 83 Prozent: Top-Talent Moses Itauma (12-0, 10 K.o.) steht vor einer großen Zukunft im Schwergewicht. Doch dass Erfolg im Profiboxen kein Selbstläufer ist, weiß auch Itauma. Am Samstag trifft der Jungstar aus dem Stall von Promoter Frank Warren in der ANB Arena von Riad (Saudi-Arabien) auf Ring-Routinier Dillian Whyte (31-3-0, 21 K.o.).
„Hat mich nachts wachgehalten“
Keine Frage, Itauma, der den Interconti-Gürtel der WBO im Schwergewicht trägt, geht als Favorit in diesen Fight. Der Jungstar selbst erklärte vor wenigen sogar, dass er nichts anderes erwartet, als den 37-jährigen „Body Snatcher“ (dt.: Leichenräuber) k.o. zu schlagen. Ein Selbstläufer?
Ganz so sieht es Itauma nicht. „Der Kampf gegen Dillian Whyte hat mich nachts wach gehalten“, gestand er dem „Ring Magazine“. „In meinem Kopf spielten sich verschiedene Szenarien ab. Ich glaube, das könnte für viele Menschen ein Problem sein.“ Er sei schon immer ein Mann der Tat gewesen, erklärte der Rechtsausleger, dessen Fights eine durchschnittliche Dauer von 2,1 Runden haben. „Ich gehe einfach rein und mach es.“ Er wolle nicht den Fehler machen, sich zu sehr auf das Ergebnis zu konzentrieren. „Vielmehr konzentriere ich mich darauf, nach meinem Gameplan zu boxen.“
Das Ziel ist ein K.o.-Sieg
„Wenn ich das schaffe, weiß ich, dass ich Dillan Whyte schlagen kann“, so Itauma. Also sei die Aufgabe erledigt, die Gleichung gelöst. „Wenn ich es nicht tue, weiß ich, dass ich enttäuscht wäre.“ Aber das Thema K.o. übt auf den 20-Jährigen doch ein wenig Druck aus: „Wenn es dir nicht gelingt, ist es so, als hättest du versagt. Knocke ich Dillian Whyte aus, ist es cool, das war immer meine Aufgabe. Auftrag erfüllt. Aber wenn ich es nicht schaffe, bin ich natürlich enttäuscht.“
Whyte, der 17 Jahre älter ist als Itauma, blickt auf eine 14-jährige, wechselhafte Profikarriere zurück. In dieser konnte er den britischen Schwergewichtstitel und einen WBC-Interims-Titel gewinnen, kassierte aber auch vernichtende K.o.-Niederlagen gegen Anthony Joshua, Alexander Povetkin und Tyson Fury.
Welche Version von Whyte?
Auf die Frage, welche Version von Whyte er sich vorstellt, antwortete Itauma: „Ich stelle mir einen furchterregenden, bösartig aussehenden Kerl vor, der bereit ist, mir den Kopf abzureißen. Ich habe das Gefühl, dass er genau das vorhat.“ Es ist davon auszugehen, dass der „Leichenräuber“ wegen seiner Inaktivität in den letzten Jahren – er bestritt drei Fights seit November 2022 – nur wenig Chancen gegen Itauma besitzt. Aber der Jungstar wird dem erfahrenen Whyte, der auch schon Joseph Parker, Derek Chisora und Alex Povetkin besiegte, mit Respekt begegnen.
„Ich bin die Nummer eins der WBO, also würde ein Sieg gegen mich ihn wahrscheinlich in die Lage versetzen, gegen Interims-Champion Joseph Parker zu kämpfen“, analysiert Moses Itauma. „Das würde ihn iin eine gute Position bringen.“ Natürlich wisse er nicht, wie sein Kontrahent am Samstag (live auf DAZN) auftreten werde. „Aber ich stelle mir den besten Dillian Whyte vor.“
Text: Frank Schwantes