Bevor ich loslege: Ich freue mich sehr, dass du hier bist, um meine Kolumne zu lesen. Es wird chaotisch, lustig, aber hauptsächlich 100 Prozent echt. Ich werde von vielen Anekdoten und Erfahrungen aus dem Boxen berichten, aber dir auch spannende Insights in meinen alltäglichen Wahnsinn geben. Und jetzt heißt es: Ring frei!

Manchmal passt ein großes Gefühl in ein kleines Wort: „Approved”.
Heute saß ich im US-Konsulat in Frankfurt und hörte endlich genau dieses Wort, auf das ich seit zehn Monaten gewartet hatte. Mein neues Visum wurde offiziell genehmigt. Damit steht fest: Ab dem 5. August kann ich endlich wieder in die USA fliegen. Zurück zu meinem Team. Zurück in mein sportliches Zuhause.
Als Profiboxerin ist man es gewohnt, dass nicht immer alles nach Plan läuft. Kämpfe werden verschoben, Gegnerinnen wechseln und Verletzungen werfen einen zurück. Man lernt, geduldig zu sein, weiterzutrainieren und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man beeinflussen kann. Aber diese Art des Wartens war anders. Denn ich konnte nichts beschleunigen. Ich konnte nicht mehr trainieren, nicht härter arbeiten und auch nicht einfach die nächste Runde gewinnen. Ich konnte nur warten, denn die Kontrolle lag nicht bei mir.
Für viele Menschen ist ein Visum wahrscheinlich einfach ein Dokument. Ein Stempel. Eine bürokratische Formalität. Für mich entscheidet dieses Dokument jedoch darüber, ob ich zu meinem Team fahren kann. Ob ich dort trainieren kann, wo ich mich über Jahre hinweg als Boxerin weiterentwickelt habe. Ob ich wieder mit den Menschen zusammenarbeiten kann, die einen wichtigen Teil meiner Karriere begleitet haben. Die vergangenen zehn Monate waren deshalb von ständiger Unsicherheit geprägt. Wann kann ich zurück? Wie soll ich meine nächsten Monate, meine Vorbereitung und meine Kämpfe planen, wenn ich nicht weiß, wann sich diese Tür wieder öffnet? Heute hat sie sich geöffnet. Natürlich war ich vor dem Interview angespannt. Wahrscheinlich auf eine andere Art als vor einem Kampf, aber das Warten auf eine so entscheidende Antwort macht etwas mit einem. Und dann kam endlich dieses eine Wort: „Approved”. In diesem Moment fiel eine große Last von mir ab.
Ab dem 5. August geht es für mich endlich wieder in die USA. Zurück zu meinem Team. Zurück in den Trainingsalltag, den ich so lange vermisst habe. Und ich werde diesen Flug diesmal mit Sicherheit noch einmal ganz anders wertschätzen. Im Boxen reden wir oft darüber, dass Geduld eine Stärke ist. Dass man nicht jede Lücke erzwingen kann. Dass man warten muss, bis sich die richtige Chance bietet. Zehn Monate lang blieb mir nichts anderes übrig. Jetzt ist das Warten vorbei.
USA, ich komme zurück!
Sarah Liegmann
Sarah Liegmann wurde am 26. Januar 2002 in Bonn geboren. Die Federgewichtlerin boxt seit 2021 als Profi, trainiert und lebt in Deutschland und in den USA. Liegmann alias „The Princess“ ist amtierende WBC-Junioren-Championesse. Zudem sicherte sich die frühere Kickboxerin den WM-Gürtel des Verbandes WBF.
Webseite: princess-boxing.de
Instagram: sarahliegmann
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